Geschichte

Christoph Kolumbus untemahm im Jahre 1502 im Meer del Antillen oder del Kariben eine letzte Forschungsfahrt, in del Hoffnung, nicht mehr Inseln sondem Festland zu entdecken. Auf der Fahrt gen Süden -er kam von der Küste des heutigen Honduras -und nachdem er ein Kap umschifft hatte, das ihm Schutz verlieh und dem er den Namen "Cabo Gracias a Dios" beilegte, fuhr er bis zur Mündung eines Flusses, dem Rio San Juan, hinunter und nahm von ihm Besitz. Er entdeckte so die atlantische Küste des heutigen Nicaragua.

Im Jahre 1522, auf del gegenüberliegenden Seite des Isthmus von Panama, wo sich schon die von Nuñez de Balboa konstruierte Flotte befand, fuhr eine von Gil Gonzalez de Avila organisierte und angeführte Expedition zum Norden des Kontinents hinauf, wobei sie an der pazifischen Küste ehtlangfuhr, d.h. an den westlichen Ufem des heutigen Costa Rica. Bald ging er an Land und drang in die Territorien ein, die später die östlichen Ausläufer von Nicaragua bildeten. Er traf zunächst den Kaziken Nicoya, dann den Kaziken Diriangen; dann endeckte er eine weitausgedehnte Süss- wasserfläche, den grossen See, den die Eingeborenen Cocibolca nannten.

Die 'Tradition erwähnt, dass die Andalusen, Compagnons des Gil Gonzalez de Avila, diesen grossen See "Agua de Nicarao" nannten: die Wasserfläche von Nicarao, nach dem Namen des Kaziken, den sie im Jahre 1523 getroffen hatten. Das sei die Entstehungsgeschichte des Namens von Nicaragua. Die Gründung der Städte Granada und León, in den Jahren 1524 und 1525 sind Francisco Hernández de Córdoba, dem Leutnant des Gouvemeurs Pedro Arias de Avila, auch Pedrarias genannt, zuzuschreiben.

1m Jahre 1534 gründete der Papst Klemens VI, die erste Episkopalkirche von Nicaragua. Seitdem brachen fast ununterbrochen oft blutige Kämpfe zwischen den Spaniern der beiden Städte aus, auf diesem erst kürzlich kolonisierten Territorium.

Im Jahre 1570 geraten die Stadt León und ihre Einwohner -Spanier sowie Eingeborene - unter die Autorität des "Gobemacion" von Guatemala. Die Konflikte zwischen León und Granada dauern auch im 16. und 17. Jahrhundert an.

Im Jahre 1610 zerstört ein sehr heftiger Ausbruch des Vulkans Momotombo, am Rande des kleínen Sees von Nicaragua gelegen, den man Xolotlan nennt, die Stadt Leon. Die lokalen, zivilen und religiösen Autoritäten beschliessen daraufhin, die Stadt in einer gewissen Entfemung von dem Vulkan wiederaufzubauen, an dem Platz, wo sie sich auch heute noch befindet. Die Vulkane, die sich in ihrer Nachbarschaft befinden -der Momotombo macht sich nur noch durch Rauchfahnen bemerkbar -bestreuen die neue Stadt und Íhre Umgebung periodisch mit ihrem Aschenregen, was oft, sowohl in der Stadt, als auch in lhrer landwirtschaftlichen Umgebung grossen Schaden anrichtet. Granada, seinerseits, ist einer anderen Art Schaden ausgesetzt: der Plünderung durch die von der atlantischen Küste kommenden Banden.

Die erste Plünderung fand im Jahre 1665 statt. Sie war dem holländischen Piraten John Davis zuzuschreiben. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts errichten die Engländer, die in dem ehemaligen Jamaika installiert sind, eine Art Protektorat über die Ostküste des zentral-amerikanischen Kontinents, vom Golf von Mexiko bis Panama. Und das, damit ihre Freibeuter es in dieser Zone leichter hätten. Mit den Engländern lassen sich ebenfalls schwarze Jamaikanier an den Küstenstrichen nieder, die heute noch diese östlichen Regionen mit den eingeborenen Indiarnern bevölkem.

 

Im Jahre 1740 gründen diese Schwarzen zwei Stiädte in Nicaragua: Bluefields und Greytown. Während des 18. Jahrhunderts finden periodische Einfälle der Engländer ins Innere des Landes statt; sie sind dabei van Moskito-lndianern begleitet. Sie überqueren den Grossen See und fahren die Strömung hinauf. Diese Einfälle richten in -den schon blühenden Städten wie Jinotega, Boaco oder Camoapa oft grossen Schaden an.

Zu dieser Epoche fand die heroische Geste einer jungen Nicaraguanerin Rafaela de Herrera Sotomayor statt, bei einer Operation, die dazu bestimmt war, die aus Jamaika gekommenen Piraten zurückzuwerfen. Doch seit dieser Zeit verzichten die Moskitohäuptlinge darauf, die Handlanger der ausländischen Piraten zu sein und unterwerfen sich den einheimischen Autoritäten.

Der Sturm der französischen Revolution greift bald auf Amerika über, und die Einwohner der spanischen Provinz Nicaragua, sowie die der benachbarten Provinzen des Generalkapitanats von Guatemala erhoffen die baldige Befreiung van dem Joch des immerhin fernen Spaniens.

In Nicaragua finden die ersten Unabhängigkeitsmanifestationen in Masaya, dann in Léon, in Granada, sowie in den Provinzen van Nicoya und Guanacaste statt.

Am 15. September 1821 proklamiert Zentralamerika das Ende der Abhängigkeit von Spanien. In diesem ganzen Teil des amerikanischen Kontinents leisten alle Munizipalitäten den Eid auf das am Sitz des Generalkapitanats unterzeichnete Dokument. In Nicaragua kommt der Stadt Matagalpa die Ehre zu, als erste den Eid geleistet zu haben. Kurze Zeit nach der Proklamation annektiert Iturbide, ein mexikanischer General, die Vereinten Provinzen Zentralamerikas und schliesst sie dem mexikanischen Kaiserreich an. Besonders in Nicaragua sind sich die Städte darüber uneinig, ob sie sich dem neuen Herrscher unterwerfen sollen oder nicht. Einige sind für unbedingte Unabhängigkeit und setzen sich heftig dafür ein. Von Léon, das sich Mexiko unterworfen hat, wird eine Expedition . gegen das sich widersetzende Granada geschickt.

So entsteht ein richtiger Bürgerkrieg, der erst durch die Vermittlung Guatemalas zum Stillstand kommt. Doch die Konflikte flammen oft wieder auf, und Einwohner wie Städte haben noch lange darunter zu leiden.

Die mexikanische Herrschaft ist nur von kurzer Dauer und endet im Jahre 1823. Die Verfassung der Föderativen Republik Zentralamerikas wird am 23. November 1824 unterzeichnet. Diese Republik wird van fünf Staaten gebildet, von denen ein jeder eine gesetzgebende Versammlung besitzt, sowie eine Versammlung, die die ausführende Gewalt innehat.

Indessen schwächen die Brüderkämpfe zwischen den beiden Städten, im Innern der Föderation, die Autorität Nicaraguas, das einen grossen Teil seiner Provinz Nueva Segovia an Honduras abtreten muss und einen Teil der Provinz Nicoya an Costa Rica.

Im übrigen setzt Kolumbien durch, nach einem Vorgehen, das man wohl feindlich nennen kann, dass der Archipel San Andres und Providencia, im Karibischen Meer, unter seine Juridiktion falle.

Die Streitigkeiten zwischen "conquistadores" (die Nicaragua zum Tummelplatz hatten) bis zum Ende der spanischen Herrschaft hatten die ganze Geschichte des Landes schon vorausahnen lassen.

Die grenadischen und léonischen Notabeln hörten nicht auf, sich zu bekämpfen während der. Periode, während der das Land zu der Zentralamerikanischen Föderation gehörte, und auch die Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1838 setzte den Bruderkämpfen kein Ende.

Tatsächlich wird am 30. Mai 1838 der Föderalpakt van Nicaragua gebrochen -und das ohne das geringste Bedauern -da ihm die Föderation nur Nachteile und Schaden eingebracht hatte. Eine Verfassung wird von dem Doktor Nuñez verkündet, der den Titel "Direktor" des Staates trägt.

Von da an folgen die Direktoren aufeinander und geben nach und nach dem Land seine Gesetze und Regeln; in Granada wird eine Universität gegründet und es erscheinen dort nationale Zeitungen. Aber mehrere dieser Leiter haben mit grossen Schiwerigkeiten zu kämpfen, die von machthungrigen Abenteurern hervorgerufen werden; es sind das meistens improvisierte -lokale oder fremde -Anführer. die sich den Titel "caudillo" zulegen.

Spanien erkennt am 25. Juni 1850 in einem mit Nicaragua unterzeichneten Vertrag dessen Unabhängigkeit an. Im Jahre 1851 versuchen Militärs -manchmal mit Erfolg,. die Gewalt unter ihre Kontrolle zu bringen und den Direktor des Staates abzusetzen. Revolutionäre Bewegungen setzen , die einen eine Regierung in León, die anderen eine Regierung in Granada ein.
Der General Don Fruto Charnorro, ein Direktor, wird, indem er eine neue Verfassung billigt, im Jahre 1854 der erste Präsident der Republik; die Dauer des Mandats des ersten Magistrats der Nation wird auf vier J ahre festgesetzt.

Aber von 1854 bis 1857 besteht von neuem Kriegszustand zwischen Granada und León; dieser Krieg endet mit der Doppelregierung der Generäle Maximo Jerez und Tomas Martinez. Dann organisiert Martinez allein das Land; er reformiert es und erweitert die Gesetzgebung. Im Jahre 1858 verkündet er eine neue Verfassung. .

Im Februar 1852 war die Stadt Managua zur "Residenzstadt der ausübenden Gewalt des Staates" erklärt worden; aber erst unter der Regierung von Jerez und Martinez, im Jahre 1857, wurde diese Stadt als Hauptstadt bezeichnet. So wurde endgültig den jahrhundertelangen Rivalitäten zwischen den Städten León und Granada ein Ende gesetzt.

In der Zwischenzeit war William Walker, ein nordamerikanischer Abenteurer, in Nicaragua gelandet und hatte sich im Jahre 1858 zum Präsidenten ausrufen lassen.
Sein Unternehmen war nicht von langer Dauer und am 14. Septeinber 1856 unterlag er in der Umgebung von Managua, in dem Gut San Jacinto.
Im .Jahre 1860 nach Zentralamerlka zurückgekehrt, wird Walker gefangengenommen und erschossen.

Zwischen 1863 und 1893 regieren die KonseIVativen -denn von nun an ist das Land ständig zwischen Liberalen und Konservativen geteilt -und sie sind es, die die Trennung von Kirche und Staat verkünden, die Jesuiten vertreiben und Schulen gründen, die sie Lehrern anvertrauen, die Freimaurer oder Protestanten sind.

Im Jahre 1867 wird in einem bescheidenen Ort: San Pedro de Metapa, der Mann geboren, der eines Tages der Prinz der spanischen Dichtung sein wird: der grosse Ruben Dario.
Im Jahre 1893 setzt eine Revoution der konservativen Regierung von Don Roberto Sacasa ein Ende. Eine Regierungsjunte bringt den General José Santos Zelaya, einen Liberalen, ans Ruder, der bis zum Jahre 1909 an der Macht bleibt.

Aus dieser Epoche datiert die Verbesserung und die Ausbreitung der Eisenbahn, die Granada mit dem Hafen Corinto am Pazifik verbindet, die ebenfalls die Zone der grossen Kaffeekulturen von Masaya bedient.
Im Jahre 1906 verkündet der König von Spanien einen Schiedsrichterspruch, der in einem Grenzkonflikt zwischen Honduras und Nicaragua das erstere dieser beiden Länder begünstigt. Doch erhalt der gleiche Ze1aya den Verzicht Grossbritanniens auf die Moskitoküste; er versucht, doch ohne Erfolg, die Mittel zu erhalten, die es ihm ermöglichen würden, einen Kanal zwischen den beiden Ozeanen zu bauen, der durch Nicaragua führen würde.

 

Zu wiederholten Malen brachen in den Jahren 1909 und 1910, während die liberale Partei am Ruder war, kleine revolutionäre Bewegungen aus, die im Jahre 1910 zur Abdankung von Zelaya führten, der dann auch das Land verliess. Doch die Revolution geht weiter und breitet sich aus. Eine Reihe van inneren Ereignissen rinden in den Jahren 1910 und 1911 statt, die Namen an das Tageslicht bringen, die in der Geschichte dieser Epoche einen bedeutenden Platz einnehmen werden. Don Adolfo Díaz, Don Emiliano Chamorro, Don José Dolores Estrada, Don Luis Mena. Um den unaufhörlichen Kämpfen zwischen den Fraktionen Einhalt zu gebieten, greifen die Vereinigten Staaten militärisch ein, und das unter dem Vorwand, dass es notwendig sei, die Eisen- bahnlinie Corinto-Granada zu beschützen.

Am 1. Januar 1913 wird Adolfo Diaz Präsident.
Die Eisenbahn und der Zoll werden seitdem van den Amerikanern kontrolliert. Die "marines" besetzen das Land.

1914 unterzeichnet Emiliano Chamorro, zu der Zeit diplomatischer Vertreter seines Landes in Washington, den Vertrag, der den Vereinigten Staaten eine Option für die Konstruktion eines interozeanischen Kanals in Nicaragua zuerkennt. Den drakonischen Bestimmungen dieses Vertrags, der der nationalen Souveränität Abbruch tat, wird erst im Jahre 1970 ein Ende gesetzt.

Als im Jahre 1914 der Krieg ausbricht, gerät die Wirtschaft Nicaraguas in Schwierigkeiten. Der General Emiliano Chamorro folgt im Jabre 1917 dem Präsidenten Adolfo Diaz. Aber im Laufe der auf den Krieg folgenden,. Jahre ist das Land entzweit: es sind dort zwei Armeen stationiert, die eine in Bluefields und die andere in León. Die Marineinfanterie der Vereinigten Staaten greift zugunsten der Armee ein, die zu Diaz hält und hemmen so den Schwung der liberalen Kräfte auf. Die Anführer der letzteren, die die Regierung des Prasidenten Moncada unterstützen, legen die Waffen nieder, mit Ausnahme eines Indianermetizen: des Generals Augusto César Sandino, der als Freischärler weiterkämpft und der seitdem mit Hilfe der Indianer und Metizen die ihm zahlreich , gefolgt sind, eine sechs Jahre lang andauernde Guerilla gegen die ausländischen Interventionskräfte führt.

Doch wird er im Jahre 1934 ermordet, als die "marines" Nicaragua verlassen. Im Jahre 1931 hatte ein sehr heftiges Erdbeben einen grossen Teil der Hauptstadt zerstört. Seitdem übt die Nationalgarde die Kontrolle über das nationale Territorium aus. Ein junger intelligenter und mutiger Mann hat sie organisiert: Anastasio Somoza García. Seither dient sie ihm als ständiger Stützpunkt. Ständig gewährt er ihr sein Vertrauen und sie ihm auch. Die konservative Opposition mit dem General Emiliano Chamorro an der Spitze paktiert mit ihm. Er ist Präsident der Republik von 1937 bis 1939 und von 1939 bis 1947, dann wieder von 1951 bis 1956. In diesem Jahre fällt er unter den Kugeln eines jungen Typographen am Vorabend seiner Wiederwabl für ein neues Mandat.

Ihm verdankt Nicaragua unter anderem bedeutende soziale Reformen und lnitiativen, ein sehr fortschrittliches Arbeitsrecht, das im Jahre 1945 veröffentlicht wurde. Unter ihm haben die Landwirtschaft und die jüngst entstandenen Industrien Nicaraguas ihren Aufschwung genommen; die wirtschaftliche Entwicklung und die moderne Ausstattung des Landes waren gut vorangetrieben worden.

Der General Anastasio Somoza Debayle, sein zweiter Sohn, ist der augenblickliche Staatschef, der schon zum zweiten Mal die präsidentschaft der Republik ausübt, nachdem er von der Bevölkerung 1974 zum Präsidenten gewählt worden war.

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